|
Die Ausgabe bietet unter anderem Beiträge zu den Themen "Eingliederungshilfe für behinderte junge Menschen" von Peter Mrozynski und "Sozialtherapeutische Behandlung von jungen Sexualstraftätern" von Daniela Hosser, Christiane Bosold und Oliver Lauterbach. Der Artikel "Indikationen für geschlossene Unterbringung in der Praxis von Jugendhilfe und Jugendpsychiatrie" von Hanna Permien kann als PDF-Datei heruntergeladen werden.
Originalbeiträge
- Hanna Permien: Indikationen für geschlossene Unterbringung in der Praxis von Jugendhilfe und Jugendpsychiatrie
- Peter Mrozynski: Eingliederungshilfe für behinderte junge Menschen
- Daniela Hosser, Christiane Bosold und Oliver Lauterbach: Sozialtherapeutische Behandlung von jungen Sexualstraftätern: Ergebnisse einer Evaluationsstudie
- Christian Huchzermeier, Emelie Bruß, Nils Godt und Josef Aldenhoff: Das Kieler Therapieprojekt für Gewaltstraftäter - Standardisierte Eingangsuntersuchung zur intramuralen Psychotherapie
Hanna Permien: Indikationen für geschlossene Unterbringung in der Praxis von Jugendhilfe und Jugendpsychiatrie Bei dissozialen Jugendlichen scheinen längerfristige freiheitsentziehende Maßnahmen (FM) nach § 1631 b BGB in Form geschlossener Unterbringung manchmal unausweichlich, doch solche Maßnahmen dürfen nicht willkürlich erfolgen. Anhand der Ergebnisse einer aktuellen Studie wird aufgezeigt, wie »willkürlich« die Indikationen für FM in Jugendhilfe bzw. Jugendpsychiatrie sind und zwangsläufig sein müssen, mit welchen Begründungen Jugendliche in der Jugendhilfe geschlossen untergebracht werden und unter welchen Bedingungen FM für dissoziale Jugendliche in der Jugendpsychiatrie erfolgen. Schlüsselwörter: § 1631 b BGB, freiheitsentziehende Maßnahme, geschlossene Unterbringung, Jugendhilfe, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Indikation Detention in Adolescent Mental Health Services Long-term detention for juveniles with severe antisocial behaviour sometimes seems inevitable, but it is justifiable only within very narrow limits. The article presents and discusses the results of a new study concerning the indications for – or against – detention in residential care or in adolescent inpatient facilities Key words: Detention, indications, youth welfare, child and adolescent psychiatry
Peter Mrozynski: Eingliederungshilfe für behinderte junge Menschen Die Vorschrift des § 35 a SGB VIII hat seit Schaffung des Kinder- und Jugendhilferechts eine Entwicklung genommen, die sie immer mehr als ungeliebtes Kind der Jugendämter hat erkennbar werden lassen. Die anfängliche Idee, beim Hilfebedarf eines Jugendlichen nicht zwischen einem erzieherischen Problem und einer seelischen Behinderung unterschieden zu müssen, sondern diese Frage offen zu lassen zu (§ 27 Abs. 4 SGB VIII a. F.), war bald aufgegeben worden. Die spätere Einfügung des § 35 a SGB VIII erforderte und erfordert heute nach der Neufassung durch das Gesetz zur Weiterentwicklung der Kinder- und Jugendhilfe (KICK) mehr als in den Anfangszeiten des SGB VIII, dass eine zumindest drohende seelische Behinderung festgestellt wird. Die Ausrichtung am konkreten, individuellen Hilfebedarf und die Gewährleistung einer bedarfsorientierten Hilfe ohne stigmatisierendes Verfahren sind heute praktisch nicht mehr möglich. Schlüsselwörter: Seelische Behinderung von Kindern und Jugendlichen, Leistungen und Infrastruktur in der Kinder- und Jugendhilfe, Nachrang und Zuständigkeiten Integration of young persons and adolescents with mental health problems The procedures of § 35 a SGB VIII (German social welfare code) have become increasingly unpopular with youth and adolescent services. The original idea not to distinguish between educational and mental health needs (§ 27 Abs. 4 SGB VIII old version) was soon given up and the inclusion of § 35 a SGB VIII now requires the assessment to confirm an imminent or manifest mental disability. Non-stigmatising individual support and needs-led care planning have become almost impossible. Key words: Young persons, adolescents, mental disability, integration, German social welfare code
Daniela Hosser, Christiane Bosold und Oliver Lauterbach: Sozialtherapeutische Behandlung von jungen Sexualstraftätern: Ergebnisse einer Evaluationsstudie Im Jahr 2000 wurde in der Jugendanstalt Hameln eine sozialtherapeutische Abteilung zur Behandlung jugendlicher Sexualstraftäter eingerichtet. Im Rahmen von Gruppenarbeit wird dort ein kognitiv-behaviorales Behandlungsprogramm für Kindesmissbraucher und Vergewaltiger durchgeführt. Vorgestellt werden erste Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitforschung zur Behandlungseffektivität. Im Verlauf von drei Jahren wurden 17 Sexualstraftäter im Alter von 16 bis 23 Jahren mittels standardisierter Erhebungsinstrumente zu Beginn und Ende der Behandlung befragt. Im Vorher-Nachher-Vergleich zeigt sich eine signifikante Abnahme der sexuellen Feindseligkeit, der Tendenz zur Verharmlosung von Kindesmissbrauch sowie der situationsbezogenen Aggressivität. Eine signifikant verringerte Flexibilität der Zielanpassung nach Behandlung läuft dem Resozialisierungsziel möglicherweise entgegen. Weitere tendenzielle Veränderungen deuten sowohl – im Sinne der Behandlungsziele – erwünschte als auch unerwünschte Effekte hinsichtlich kriminalitätsrelevanter Einstellungen an. Schlüsselwörter: Jugendliche und heranwachsende Sexualstraftäter, kognitiv-behaviorale Gruppentherapie, Behandlungsevaluation, Wirksamkeit, Jugendvollzug Social therapy for young sexual offenders: Results of an evaluation study In 2000, a social therapy unit treating young sexual offenders was established at the youth prison in Hameln, Germany. A cognitive-behavioral treatment program was introduced for male adolescents and young adults serving sentences for sexual abuse or rape. A pre-post treatment comparison of questionnaire data in a sample of 17 sexual offenders aged 16 to 23 years showed significant reductions in hostile sexual beliefs, cognitive distortions towards child sexual abuse and anger across a range of provocations. Clients show diminished flexible goal adjustment, which is likely to interfere with rehabilitation. Other marginal effects indicate desired as well as undesired changes in crime related attitudes. Key words: Youth offenders, sex offenders, cognitive-behavioral group therapy, treatment evaluation
Christian Huchzermeier, Emelie Bruß, Nils Godt und Josef Aldenhoff: Das Kieler Therapieprojekt für Gewaltstraftäter - Standardisierte Eingangsuntersuchung zur intramuralen Psychotherapie Nach § 9 des Strafvollzugsgesetz wird eine Zuweisung gefährlicher Straftäter zu psychotherapeutischen Maßnahmen vorgegeben, ohne dass die Zuweisungskriterien näher definiert werden. Die vorliegende Arbeit berichtet über die standardisierte Eingangsdiagnostik des Kieler Therapieprojektes für Gewaltstraftäter, die eine empirische Entscheidungsbasis für die Indikationsstellung zur Psychotherapie liefert: Im Rahmen des diagnostischen Prozesses werden die intellektuelle Begabung, das Störungs- und Risikoprofil sowie die Motivationslage mit international etablierten Instrumenten systematisch untersucht. Damit gelingt es, individuell die Kennwerte Therapiefähigkeit, Therapiebedürftigkeit und Therapiemotivation zu beschreiben und den Therapieein- oder -ausschluss rational zu begründen; so gewinnt die gesetzlich verankerte Vorgabe, gefährlicher Straftäter einer Psychotherapie zuzuführen, an Kontur. Die Ergebnisse des bisher untersuchten Kollektivs von 128 inhaftierten Gewaltstraftätern weisen ein hohes Ausmaß an psychischen Störungen und damit einen prinzipiell großen Therapiebedarf nach. Außerdem stellen die Untersuchungsergebnisse auch einen Beitrag zur Prävalenzforschung unter inhaftierten Straftätern dar: Eine hohe Prävalenz an Persönlichkeitsstörungen bei inhaftierten Gewaltstraftätern (ca. 60 %) ließ sich wie in ähnlichen Studien zuvor bestätigen, erstmals in Deutschland wurde nachgewiesen, dass sich in einer Gefangenstichprobe auch häufig Psychopathien n. Hare (ca. 23 %) finden. Hohe Prävalenzen fanden sich auch für Suchterkrankungen: ca. 80 % der Untersuchten wiesen ein Alkoholproblem auf, ca. 18% zeigten eine Polytoxikomanie. Schlüsselwörter: Forensische Psychotherapie, standardisierte Diagnostik, Prävalenz psychischer Störungen bei inhaftierten Straftätern Kiel psychotherapy project for violent offenders – Standardized diagnostic assessment for psychotherapy Sexual and violence offenders in Germany can be sent to compulsory psychotherapeutic treatment (§ 9 of the German Penal Code). This paper describes a standardized diagnostic procedure to decide on a rational basis from both, a psychiatric and criminological point of view who should be sent to a psychotherapeutic intervention: Using internationally established clinical and risk predicting instruments an individual profile results that includes intellectual ability, the need for psychotherapeutic treatment, presence of mental disorders, risk assessment and motivation for psychotherapy. The results from 128 imprisoned violent offenders show a high percentage with mental disorders and indicate a substantial need for treatment. The study contributes to research on mental health in prison and demonstrates a high prevalence of personality disorders, substance abuse and psychopathy in violent offenders. Key words: Forensic psychotherapy, standardized assessment, prison, mental disorder
|