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Erich Wulff

Wahnsinnslogik

Von der Verstehbarkeit schizophrener Erfahrung

Edition das Narrenschiff
Neuausgabe der Erstausgabe von 1995, Bonn 2003
ISBN 978-3-88414-349-0
180 Seiten
15.00 € / 26.90 sFr
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Kurzinformationen

Erich Wulff ist durch seine sozial- und ethnopsychiatrischen Schriften - und natürlich durch seine unter Pseudonym verfassten »Vietnamesischen Lehrjahre« - bekannt geworden. Der Psychiatriephilosoph hielt sich lange Zeit im Hintergrund. In diesem Buch tritt er hervor: »Wahnsinnslogik« spannt den Bogen von der Phänomenologie, die die Psychiatrie der fünfziger Jahre prägte, zu den modernen subjektwissenschaftlichen Theorien und konstruktivistischen Denkansätzen in der Psychiatrie der Gegenwart.

Auch als Philosoph bewahrt Erich Wulff Bodenhaftung. Eigene Erfahrungen mit dem Wahn – als achtzehnjähriger Infanterist im Grauen des Krieges, als dreißigjähriger Assistenzarzt unter Mescalin, als fünfzigjähriger gestandener Psychiatrieprofessor in Vietnam - sind Ausgangspunkt seiner Suche nach der Logik im Wahn.

Für Wulff ist Wahnsinn ein Konstrukt. Er erklärt dies anhand der Lebens- und Krankengeschichte des Friedrich R., den er als junger Arzt durch eine schwere katatone schizophrene Krise begleitet hat, und skizziert die psychotherapeutischen Konsequenzen seines Ansatzes. Darüber hinaus demonstriert er facettenreich, in welchem Maße die Psychotherapie der Psychosen in Kultur und Gesellschaft eingebunden ist.

"Wahnsinnslogik" ist ein Buch für psychiatrisch und psychotherapeutisch Tätige und Interessierte, die über den philosophischen und zeitgeschichtlichen Hintergrund ihres Umgangs mit dem Wahn nachdenken möchten; für alle, die mehr über Schizophrenie wissen wollen, und für alle anderen, die anhand eines ausgezeichnet geschriebenen, lebendigen Buches derVerknüpfung von Psychiatrie und Philosophie nachspüren möchten Und natürlich für alle Freunde von Erich Wulff.

Resonanz

Jens Clausen in Soziale Psychiatrie: "An den unterschiedlichen Stellen des Buches gelingen Wulff Einblicke in die Welt des Wahns, die nirgendwo sonst vielleicht in dieser Intensität zu erfahren sind. ... Für alle, die mit Geduld und wachem Interesse die Wahnsinnslogik (oder -unlogik) ihrer Patienten zu begleiten versuchen, wird dieses Wulff-Buch vermutlich zu einem bewegenden Erlebnis."

K.P. Kisker in Der Nervenarzt: "Die Substanz liegt in der Präzision. Sorgsamkeit, auch in der Anschaulichkeit des Erweisens, um die der Autor sich bemüht, wenn er dem ›Fabrikationsgeheimnis‹ der ›Außerkraftsetzung der Vernunft-Spielregeln‹ und deren notdürftiger Reparatur nachgeht. ... Der Autor ist kein Wahn-Romantiker vom Schlage eines R. Laing. Er strengt den Begriff, sich und also auch den Leser an. Er befasst sich mit dem logischen Konstruktionsplan von Wahn und mit dessen ›Inhalt‹ nur, soweit sie – allerdings bedeutende – Füllmasse von Struktur sind. Der Text ist hochspekulativ und null-spektakulär. Immer noch, indessen in einem strengeren Sinne als beim jungen Wulff hat er an Karl Marx seinen Paten. Dieser figuriert jetzt als ›erster radikaler Konstruktivist‹."

Günter Wehner in Psychiatrische Pflege heute: "Dem Autor gelingt es durch seinen angenehmen Schreibstil und dem guten thematischen Aufbau, Leselust zu wecken und den Leser dazu zu verführen, ihn zu begleiten auf seiner Suche nach der Logik im Wahnsinn und dem Bemühen um Verstehbarkeit schizophrener Unverständlichkeiten. Und mögen Erich Wulffs Thesen und Denkansätze auch noch so kontrovers diskutiert werden, sie schaffen eine Bereicherung des psychiatrisch-psychotherapeutischen Diskurses und neue Blickwinkel für die Begegnung mit schizophren Erkrankten."

Ruth Mätzler in Werkstatt Gesellschaftspsychoanalyse: "Wulff bezeichnet seine Methode als ›intuitiv-rekonstruierend‹. Dabei ist die ›Sympathie‹ zum Patienten als Voraussetzung zum phänomenologischen Vorgehen wesentlich; ebenso die Fähigkeit des Therapeuten, angstfrei auf jeder Strukturebene des eigenen Erlebens und Verhaltens für den Schizophrenen empfänglich zu bleiben, um ihn damit wiederum auf jede regressive Ebene begleiten zu können. ... Was hier sehr abstrakt klingen mag, wird im Buch anhand einer detaillierten Fallgeschichte eingehend beschrieben und mit großer sprachlicher Ausdruckskraft bebildert. Trotzdem stellt die Lektüre gewisse Anforderungen an den Leser. Mutet man sich die Anstrengung zu, wird man jedoch mit einer Einsicht in das Wesen der Schizophrenie belohnt, die man in der Fülle der Literatur zum Thema oft vergeblich sucht."

Stichworte: Wulff, Schizophrenie, Wahn, Ethnopsychiatrie